„Meine Mysterien des Stadthäger Schützenfestes“ - von Malte Freymuth - Rosenrott

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„Meine Mysterien des Stadthäger Schützenfestes“ - von Malte Freymuth

Rund ums Zelt

 

Nachfolgend einige Hintergrundinformationen zu - auf den ersten Blick - Normalitäten aus dem Rosenrottalltag. Seit meinen ersten Schildträgertagen Mitte der 70er jedoch warfen diese angeblichen Normalitäten für mich ungeheure Fragezeichen auf. Zuerst noch zu schüchtern, um Fragen zu stellen, und in dem festen Glauben, dass ich die Antworten schon irgendwann im Laufe meines Schützenfestlebens automatisch erhalten würde, legte ich eine unglaubliche Geduld und Leidensfähigkeit an den Tag.

Und so vergingen die Jahre. Fiebern die Rottbrüder im Allgemeinen aus eher banalen und niederen Beweggründen der Fünften Jahreszeit entgegen - selbstverständlich ganz im Gegensatz zu uns aus dem Rosenrott, die wir uns in erster Linie der Nachbarschafts- und Traditionspflege verschrieben haben - war ich jedes Jahr aufs Neue ganz aufgeregt in der Hoffnung, endlich Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Doch ich wurde immer wieder enttäuscht.

  • Mein Vater wurde Rottmeister - ich blieb dumm.

  • Mein großer Mentor Schorse Keuneke führte mich als Schützenbruder ein - doch ich blieb dumm. Wenigstens lehrte er mich, im Rottzelt mit Fliege zu erscheinen.

  • Ich begeisterte (wieder) den männlichen Teil meiner nächsten Familie für das Schützenfest - doch ich blieb dumm, aber wenigstens war im Gegensatz zu meinem Hirn nun das Rottzelt voller.


Irgendwann, als ich es nicht mehr aushielt und beinahe platzen wollte vor soviel Ungeduld und Wissensdurst, nahm ich all meinen jungen und freyen Muth zusammen und fragte altgediente Schützenbrüder, die aus ihrem Erfahrungsschatz sicherlich etwas zu teilen hätten. Hatten sie aber nicht. Ich war sprachlos. Meine persönlichen Mysterien des Stadthäger Schützenfestes waren gar nicht so persönlich, wie ich immer dachte! Andere gierten auch nach Antworten! Das war für mich das Signal, etwas dagegen zu tun und einige Informationen zusammen zu tragen, die ich nun jedes Jahr am Freitag versuche, zum Besten zu geben:

Malte Freymuth

"Als wir nach Frankreich zogen" (ScS 2013)



Unsere Quartierschaftsfahne

Die Fahne der III. Quartierschaft zeigt ein rundes Gebilde mit dem Wappen Stadthagens im Zentrum und einer eher schwierig zu lesenden kreisrunden Umschrift: S CIVITATIS IDAGINIS COMITIS ADOLFI D SCOWEB

Ausgeschrieben bedeutet es "SIGILLUM CIVITATS INDAGINIS COMITIS ADOLFI SCOWENBORCH" oder auf deutsch: Siegel der Stadt (bzw. Bürgerschaft) des Hagens des Grafen Adolf von Schaumburg. Es handelt sich also um ein Stadtsiegel, und zwar das älteste erhaltene, das sich an einer Urkunde vom 6. Dezember 1324 befindet. Damit haben wir den ersten Namen unserer schönen Heimatstadt, nämlich "Hagen des Grafen Adolf von Schaumburg", der unmittelbar bezug nimmt auf die Stadtgründung (wahrscheinlich) im Jahr 1224 durch Graf Adolf III. oder Graf Adolf IV. Der noch geläufige zweite Stadtname, Grevenalveshagen (oder Graf Adolfs Hagen), wurde erstmals 1287 genannt. Die Bezeichnung "Stadthagen" tauchte zum ersten Mal 1378 auf.

Was ist nun ein Hagen, der Bestandteil des Namens vieler Städte und Dörfer ist? Es ist eine Weißdornhecke, die zur Abgrenzung gerodeter Stellen im Dülwald gepflanzt wurde und deren Zweige ineinander verflochten wurden, um ein Durchkommen zu erschweren.
Das Siegel von 1324 stammt noch aus der Zeit vor Bau der Stadtmauern, die um 1400 herum errichtet wurden. Auf einer Steintafel im Eingangsbereich unserer Kirche St. Martini ist eine Darstellung zu sehen, wie bewaffnete Reiter eine Stadt angreifen und einer der Reiter bereits durch ein Tor eindringt. Deutlich zu sehen ist, dass es sich bei der "Stadtmauer" nicht um eine aus Stein handelt, sondern um eine Palisade, die aus einzelnen Pfählen besteht mit einem Flechtwerk dazwischen - eventuell ist es auch ein Hagen. Leider ist nicht belegt, dass diese Tafel aus Stadthagen stammt und tatsächlich eine Begebenheit unserer Stadtgeschichte darstellt, jedoch können wir dies annehmen. Wenn nun unsere Zählung stimmt und wir in diesem Jahr tatsächlich das 623. Schützenfest feiern, sollte die Darstellung des Angriffs auf das Jahr 1395 zurückgehen und somit auf die Zeit vor dem Bau der Stadtmauer. Vielleicht zeigt diese Steintafel tatsächlich den Anlass, auf den wir unser Schützenfest begründen?


Malte Freymuth, 2018




Die Schäferkaserne in Achum

Der diesjährige Rottmeister bat mich im Vorfeld unseres schönen Festes, etwas mit Bezug zu seinem Dienstsitz Bückeburg zu erzählen. Naturgemäß brachte mich das in Nöte, Hintergründe zum Stadthäger Schützenfest zu erläutern, aber da ich auch immer wieder feststelle, dass wir heimische Ortsbezeichnungen oder Straßennamen wie selbstverständlich in den Mund nehmen, ohne jedoch den Grund für die jeweilige Benennung zu kennen, kam ich relativ schnell auf die Schäferkaserne als mein Thema in diesem Jahr.


Nach wem nun ist diese Kaserne benannt?

Emil Schäfer wurde 1891 in Krefeld geboren. Nachdem er seinen Militärdienst in Goslar beim Jäger-Bataillon Nr. 10 geleistet hatte, trat er zunächst wieder ins Zivilleben ein, und zwar als Kaufmann im Unternehmen seines Vaters, was ihm längere Aufenthalte in Frankreich und England ermöglichte mit den damit verbundenen Fremdsprachenkenntnissen. Drei Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte er rechtzeitig aus Paris zurück und konnte sich so bei der Mobilmachung bei „seinem“ Jäger-Bataillon melden, was jedoch bereits auf Kriegsstärke gebracht war und Emil Schäfer keinen Platz mehr bot. Kurzerhand reiste er weiter nach Bückeburg und trat dem dortigen Jäger-Bataillon Nr. 7 bei, mit dessen erster Reserveabteilung er durch Belgien nach Frankreich marschierte. Er zeichnete sich besonders durch erfolgreiche Patrouillen aus, wobei seine Sprachkenntnisse überaus hilfreich waren, und wurde rasch befördert, bis er Ende 1914 schwer verwundet wurde und ein halbes Jahr zur Genesung brauchte. Obwohl er in Folge der Verwundung ein verkürztes Bein davontrug, kehrte er zunächst zu den „Bückeburger Jägern“ zurück und kämpfte fast ein Jahr weiter gegen die Franzosen. Mittlerweile zum Leutnant befördert, meldete er sich Anfang 1916 zur Fliegertruppe. Hier war sein verkürztes Bein ohne jegliche Bedeutung.
Zunächst an der Ostfront eingesetzt, trat er im Dezember 1916 zur berühmten Jagdstaffel 11 des Freiherrn Manfred von Richthofen. Unter seinem Befehl wird Schäfer zum bekannten Jagdflieger mit 30 Abschüssen. Im April 1917 übernimmt er schließlich das Kommando über seine eigene Jagdstaffel 28 und erhält den höchsten Tapferkeitsorden, den Pour le Mérite, von den Fliegern gerne als „Blauer Max“ bezeichnet. An der Spitze seiner Jagdstaffel wird er im Juni leider selbst abgeschossen. Da seine Leiche keinerlei Schussverletzungen aufwies, muss er beim Aufprall seines Flugzeugs umgekommen sein. Es gibt zahlreiche Fotografien, die Leutnant Schäfer zusammen mit den Richthofen-Brüdern und anderen bekannten Fliegern wie Leutnant Wolff zeigen. Die Sanke-Karte Nr. 507 zeigt Emil Schäfer im Brustportrait mit Offiziersschirmmütze, auf der unter der Reichskokarde die schaumburg-lippische Kokarde deutlich zu sehen ist – trotz der Aufnahme in schwarz/weiß sind unsere Landesfarben gut zu erkennen.

Emil Schäfers Vater sammelte die Tagebuchaufzeichnungen und Briefe seines Sohnes, die er als Buch herausbrachte unter dem Titel „Vom Jäger zum Flieger“. In Schäfers Heimatstadt Krefeld existieren heute noch seine Begräbnisstätte und eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus, auch ist eine Straße nach ihm benannt.




Malte Freymuth, 2017




Bedeutung der Landesfarben weiß-rot-blau (Teil 2)

Nachdem ich mich bereits 2003 mit diesem Thema beschäftigt hatte, ließ mich das unbefriedigende Ergebnis (nämlich gar keins) nicht mehr los, und irgendwie recherchierte ich immer wieder einmal in diese Richtung. Wiederholt suchte ich unser Landesarchiv im Bückeburger Schloss auf, immer wieder fragte ich Historiker oder andere geschichtlich Interessierte. Das brachte leider wieder nichts ein. Ganz im Gegenteil, ich stieß sogar auf völlig falsche Angaben: In der „statistischen Uebersicht der deutschen Bundesstaaten“, abgedruckt in „Allgemeiner Kalender für alle Bewohner des österreichischen Kaiserstaates 1845“ werden die Nationalfarben von Lippe-Schaumburg angegeben mit weiß und grün.


Wenigstens fand ich beim Heimatforscher Helge Bei der Wieden eine interessante Auflistung mit Hinweisen zu unseren Farben:

  • 1812 war der Vertrag zur Abtretung des Amtes Alverdissen mit einer weiß-rot-blauen Heftschnur zusammengehalten.
  • 1848 gab es im Revolutionsjahr einen Erlass des Fürsten Georg Wilhelm, dass „neben den hiesigen“ Farben auch Flaggen in den Farben schwarz-rot-gold anzuwenden sind. Bloß - was waren die hiesigen Farben?
  • 1853 malte Wilhelm Paetz ein Bild des Steinhuder Meeres mit einem Schiff, das einen Wimpel in weiß-rot-blau trägt.


Mein persönlicher Quellenfund ist eine „Verordnung, die Organisation einer Feuer = Lösch = und Rettungs = Gesellschaft in der Stadt Bückeburg betr. vom 18. Februar 1833“. Darin sind die „Directoren der Rettungs = Gesellschaft“ namentlich genannt, und weiter: „Als Abzeichen tragen diese Directoren bei entstandenem Feuer eine aus blau, roth und weiß zusammengesetzte Binde am Arme, …“

Das ist mir jedoch alles nicht konkret genug. Aber ich glaube fest daran, dass irgendwo in einer vergilbten Akte oder einem verstaubten Vertrag ein Zettelchen oder ein Vermerk zur Bedeutung unserer Farben zu finden ist - und diesen werde ich aufspüren!


Immerhin glaube ich, meinen damaligen Erklärungsansatz nun revidieren zu können. 2003 kombinierte ich das ursprüngliche Wappen der Schaumburger, nämlich einen blauen Löwen auf weißem Grund, mit der roten Lippischen Rose. Nun erscheint es mir naheliegender, den blauen Löwen auf weißem Grund mit dem Schild der Schaumburger in den Farben silber (bzw. weiß) und rot zu verbinden.

Malte Freymuth, 2016




Neues vom
Alten Dessauer"

Mein erster Beitrag in dieser Rubrik war 2001 der „Alte Dessauer“, also zum einen Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747) und zum anderen die nach ihm benannte Melodie. Zu deren Entstehung und warum eine Melodie nach einer bedeutenden historischen Persönlichkeit benannt wird, habe ich nun – einen Gruß an unsere Rentnerbande mit ihrem Ernst – einige Infos erhalten, die ich gerne weitergebe.

 

U.a. kämpfte Fürst Leopold I. zusammen mit Prinz Eugen (der „edle Ritter“, bekannt durch seine Rettung Wiens vor den Türken im Jahre 1683) in Norditalien. Während des sog. Spanischen Erbfolgekriegs kam es 1706 zur Schlacht bei Turin, die hauptsächlich Franzosen gegen Österreicher ausfochten. Preußische Truppen unter dem Befehl Fürst Leopolds I. unterstützten in dieser Schlacht die Österreicher und erzwangen den Durchbruch bei der Zerschlagung der französischen Einkreisung Turins. Trotz dieses und weiterer militärischer Erfolge Fürst Leopolds I. brachte ihm Prinz Eugen eine nur geringe Wertschätzung entgegen: erhoffte Gebietsgewinne für Preußen und sonst übliche Beutestücke wie feindliche Kanonen und Fahnen wurden verwehrt. Daraufhin gab Fürst Leopold I. sein Kommando ab und verließ, man könnte sagen: beleidigt, den Kriegsschauplatz.

Er brachte aus Italien nur ein „Beutestück“ mit, das Erwähnung verdient und heute noch fortlebt: Bei der Siegesparade in Turin schmetterten Fanfaren und Pauken eine Melodie, die dem Fürsten so gefiel, dass er sie ständig spielen ließ und dann als „Dessauer Marsch“ in die preußische Armee einführte. Als Fürst Leopold I. klagte „schade, dass das ein Italiener komponierte“, irrte er jedoch. Wahrscheinlich schuf die Melodie ein Stabstrompeter aus Runkel an der Lahn zur Hochzeit seiner Tochter (angeblich Gertraude Regenbogen) mit dem Erbgrafen von Runkel. Die Noten gingen später verloren, kamen auf irgendwelchen Umwegen nach Turin und von dort wieder nach Deutschland.





Malte Freymuth, 2015




Unser Parademarsch

Dass unser Parademarsch aus der Oper Norma" von Vincenzo Bellini stammt, setze ich einfach als bekannt voraus. Schließlich hat unser Stadtarchivar Adolf Tatje dazu eine Ausstellung organisiert, und im Schützenfestbuch O Hannes wecken Haut" - neben unserem Rosenrott-Lexikon und Archivexemplar Pflichtlektüre eines jeden Rosenrottbruders! - wird dies auch erwähnt. Was hat nun aber eine Oper mit unserem schönen Fest zu tun, wie wurde eine Opernmelodie zu einem militärischen Marsch? Dazu habe ich leider keine Belege oder Aufzeichnungen gefunden. Daher die folgenden persönlichen Gedankengänge.

1. Klärungsansatz: Handlung
Norma" spielt in Gallien kurz nach Christi Geburt. Es geht um eine gallische Priesterin, nämlich Norma, die nach Anrufung der Götter das Startsignal zu einem Kampf mit den Römern geben soll. Norma zögert jedoch, weil einer der Römer ihr Geliebter und Vater ihrer Kinder ist. Als sie erfährt, dass dieser Römer längst eine andere Geliebte hat, schwört sie Rache und gibt das Zeichen zum Kampf. Schließlich gibt sie ihre Kinder dem obersten Druiden in dessen Obhut und geht in den Freitod.

Hilft uns das weiter? Gallier gegen Römer, also auf uns übertragen die Stadthäger auf ihrer Stadtmauer im Kampf gegen Braunschweiger und Hessen? Ich denke, das ist ein wenig zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Obwohl mir dazu ein anderes Thema einfallen würde, frei nach Goscinny und Uderzo: Wir befinden uns im Jahre 1787 n. Chr. Ganz Schaumburg-Lippe ist von den Hessen besetzt. Ganz Schaumburg-Lippe? Nein! Eine kleine Insel im Steinhuder Meer hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten…

2. Klärungsansatz: Text
In der Oper
Norma" kommt die Melodie des uns so wohlbekannten Marsches öfters vor, so in der dritten und vierten Szene des 1. Aktes. Zur dritten Szene gibt es sogar einen Text. Kann der Licht ins Dunkel bringen? Damit es einfacher ist, gleich die deutsche Übersetzung des italienischen Textes:

Norma schreitet, des Eisenkrauts Blüte
Schlingt sich heilig durch wallende Locken;
In der Hand glänzt die goldene Sichel
Als des wechselnden Mondes Symbol.
Sie erscheint, und die Sterne der Römer,
Glänzend erst, sind in Wolken verhüllet;
Sie strecken die Arme nach der Säule Irmins aus.
Irmin herrscht im Raume des Äthers,
Gleich Kometen, bedrohend die Welt.

Hilft uns das weiter? Ich denke: nein. Immerhin ist diese Szene überschrieben mit Norma viene" also Norma kommt"“, aber einen Bezug zum Schützenfest daraus herzuleiten, erscheint mir hier ebenfalls zu dürftig; allenfalls evtl. noch zur sonntäglichen Nachfeier bei den Jungen Bürgern...

3. Klärungsansatz: Historie
Die Oper wurde 1831 in Mailand uraufgeführt. Zur Erinnerung: Das, was wir heute als
Italien" bezeichnen, gab es zu der Zeit nicht. Das heutige Norditalien wurde von den Habsburgern regiert, gehörte also zu Österreich. Die Zeit nach Napoleon war in (salopp ausgedrückt, weil es das auch noch nicht gab) Deutschland geprägt vom sog. Dualismus zwischen Preußen und Österreich: Österreich bemühte sich nach Kräften, den Einfluss des wirtschaftlich und militärisch aufstrebenden Preußen gering zu halten. Österreich war in Deutschland die tonangebende Macht, und die einzelnen deutschen Regenten gehorchten dem österreichischen Kaiser. Dazu gehörte auch der hannoversche König. Es gab damals einen regen diplomatischen, militärischen und auch kulturellen Austausch zwischen den Höfen in Wien und Hannover.

Ebenfalls beliebt in dieser Zeit war das Komponieren von Märschen und Opern. Viele Opern wurden geschrieben, und viele Märsche wurden für bestimmte Regimenter eigens komponiert und diesen offiziell sogar verliehen. Anlässlich militärischer Siege ließen es sich Militärkapellmeister nicht nehmen, auch dafür Märsche zu intonieren. Genau zu dieser Zeit wurden nun Musiker von Militärkapellen aus den Städten Hildesheim und Hannover - also aus dem eng mit Österreich verbundenen Königreich Hannover - wiederholt engagiert, beim Stadthäger Schützenfest zu musizieren (übrigens wie noch heute zum Ausmarsch, zum Tanz und zum Einmarsch der Jungen Bürger).

Hilft uns das weiter? Auf jeden Fall! Opern und Märsche waren im 19. Jhdt. populär. Es liegt nahe, eine eingängige Melodie aus einer Oper aufzunehmen und als Marsch umzugestalten. Ebenso nahe liegt der Weg dieser Melodie, zumindest in der damaligen Zeit, von Mailand über Wien nach Hannover und schließlich nach Stadthagen. Ich gehe davon aus, dass die hannoverschen Militärmusiker, von Wien beeinflusst, die Melodie mitbrachten.



Malte Freymuth, 2014




Als wir nach Frankreich zogen

Die Hintergründe zu diesem Lied können mit Hilfe der beiden im Lied besungenen Städte, Lüttich und Longwy, sowie des Autors samt dessen Lebenslauf erläutert werden.

Der Kampf um die belgische Stadt Lüttich war der erste große Angriff von strategischer Bedeutung im Ersten Weltkrieg. Die Einnahme dieses großen Eisenbahnknotenpunkts inkl. der umliegenden Forts spielte eine große Rolle im sog. Schlieffenplan, nach dem auf dem rechten Flügel der deutschen Westarmee in einer großen Zangenbewegung durch das neutrale Belgien auf Paris vorgestoßen werden sollte, während der linke Flügel lediglich in einer defensiven Stellung an der deutschen Südwestgrenze bleiben sollte. Zusammengefasst wurde dieser Aufmarschplan durch das bekannte „Macht mir den rechten Flügel stark!“

Durch diverse Missverständnisse und Kommunikationsprobleme drangen erste deutsche Einheiten verfrüht in die Stadt ein, als das Gros der Angriffstruppen noch gar nicht heran war. Zu diesen ersten Einheiten gehörten auch Teile des Westfälischen Jägerbataillons Nr. 7, besser bekannt als Bückeburger Jäger. Diese Teile wurden völlig aufgerieben, und der Kommandeur, Major Donalies, fiel durch Bajonettstich in den Hals. Nachdem die anderen Truppen heran waren, konnte die Stadt aber doch am 7. August eingenommen werden, und das letzte Fort außerhalb der Stadt kapitulierte am 16. August.

Longwy war eine französische Festung südwestlich von Luxemburg. Diese Festung wurde im weiteren Verlauf des Monats angegriffen und kapitulierte am 27. August. Unter diesen Tagen verzeichnet die Regimentsgeschichte der Bückeburger Jäger, dass sie mit dem Kürassierregiment Nr. 4 zusammengetroffen seien. Damit muss die „schwere Reiterei“ aus dem Lied gemeint ist, schließlich galten zum Ende des 19. Jhdts. und zu Beginn des 20. nur noch die Kürassiere als schwere Kavallerie, und zwar aufgrund ihres Brustpanzers und ihrer metallenen Helme. Die herkömmlichen Kopfbedeckungen wie die Pickelhaube bestanden aus Leder, und der Stahlhelm wurde erst 1916 eingeführt.

Der Liedtext stammt von Josef v. Lauff (1855 bis 1933) und wurde 1914 geschrieben. Josef v. Lauff wurde in Köln geboren und ging in Münster zur Schule, später wurde er Offizier und Schriftsteller. Als Verehrer des Kaisers schrieb er viele verherrlichende Texte und wurde dafür von Wilhelm II. sogar in den Adelsstand erhoben. Die Stadt seiner Jugend- und Schulzeit, Münster, war Verwaltungssitz des VII. Armeekorps. Zum VII. Armeekorps gehörten das Kürassierregiment Nr. 4, das sogar in dieser Stadt seine Garnison hatte, und auch die Bückeburger Jäger.


Malte Freymuth, 2013




Unser Stadtwappen

Zur Erklärung des Wappens der Stadt Stadthagen möchte ich zunächst einige wichtige Eckdaten zur Geschichte Stadthagen voranstellen:

  • 1344 Verleihung der Stadtrechte

  • um 1400 Anlage der Stadtmauern

  • 1535 Bau des Schlosses an der Stelle einer Vorläuferanlage

  • 1607 Verlegung der Residenz nach Bückeburg


Unser Wappen zeigt in einem silbernen Schild ein rotes Mauertor mit drei Türmen. Im Tor befindet sich das Wappen Schaumburgs. Über dem Schild ist eine Mauerkrone, ebenfalls mit drei Türmen. Wie bei der Deutung der schaumburger Farben ging ich zunächst auch beim Stadthäger Wappen davon aus, dass die drei Türme eine bestimmte Bedeutung haben. Wie bei der Deutung der schaumburger Farben ist das Ergebnis auch hier ähnlich ernüchternd, obwohl die drei Türme des Mauertores wunderbar zu unseren drei Stadttoren: Niedern-, Obern- und Westerntor passen würden. Diese lediglich drei Tore heben uns schließlich von anderen Städten ab, die üblicherweise auf vier Stadttore verweisen konnten, eines für die Straßen in jede Himmelsrichtung.

Nun stammt jedoch das älteste bekannte Stadtsiegel, aus dem unser Wappen hervorgeht, aus dem Jahr 1324 – also vor dem Bau der Stadtmauern. Das Wappen kann daher nicht auf die drei Stadttore als Teil der Stadtmauern verweisen. Allgemein wird in der Wappenkunde das Mauertor auch als Symbol für eine Burg benutzt. Um Burgen herum entstanden in grauer Vorzeit viele Dörfer und Städte, viele Städte führen daher in ihrem Wappen das Mauertor bzw. das Burgsymbol. Auch Stadthagen hatte an der Stelle des heutigen Schlosses eine Burganlage.

Die Mauerkrone fügten viele Städte ihrem Wappen hinzu, und zwar analog zu den diversen Adelskronen der Familienwappen. Je nach Form und Anzahl der Bögen der Kronen – je mehr, desto höher – wurde dargestellt, ob es sich um Herzöge, Grafen Fürsten oder Könige handelt. Was die Bögen in den Adelskronen, sind die Türme in den Mauerkronen: fünf Türme stehen für Residenzstädte, vier Türme für größere und drei Türme für kleinere Städte. Symbolisieren soll die Mauerkrone das freie Bürgertum, also die Unabhängigkeit vom Adel, institutionalisiert mit Gilden (für Kaufleute) und Zünfte (für Handwerker), was es nur in den Städten gab.


Malte Freymuth, 2012




O Straßburg

Was bedeutet die erste Strophe des wunderschönen Liedes „O Straßburg“, und warum wird es während des Schützenfestes in der Krummen Straße gespielt, kurz bevor wir u. a. unseren Hauptmann abholen?

  • O Straßburg, o Straßburg,

  • Du wunderschöne Stadt!

  • Darinnen liegt begraben

  • so mannicher Soldat.


Das Lied entstand vor 1771. Kurioser Weise gab es bis dahin keine größeren kriegerischen Handlungen, die die Bestattung von Soldaten innerhalb der Stadt rechtfertigen würden. Der erste Konflikt war 1681, als das benachbarte Frankreich mitten im Frieden ohne Kriegserklärung viele Landstriche in Südwestdeutschland besetzten. Historiker sprechen dabei von den Reunionskriegen, wozu auch der Pfälzische Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 gehört.

Straßburg hatte bei seiner Besetzung noch Glück, weil es ohne große Gewalttaten geschah. Andere Städte wurden geplündert und niedergebrannt; bekanntestes Beispiel ist wohl Heidelberg, dessen Schloss 1689 und wieder 1693 zerstört wurde. Mit der Besetzung Straßburgs wurden sieben- bis neuntausend feindliche Soldaten – Franzosen, Deutsche, Iren, Schweizer – in der Stadt einquartiert. Das bei einer Bevölkerungszahl von etwa 22.000 im Jahr 1681. Den Hausbesitzern wurde dabei eine Kontrollfunktion übertragen: Sie mussten unter Strafandrohung Meldung machen, wenn die bei Ihnen untergebrachten Soldaten längere Zeit nicht ins Quartier zurückkehrten.

Die Besetzung Straßburgs wurde fast zwei Jahrhunderte lang als großes Unrecht empfunden. Allgemein wurde von den deutschsprechenden Menschen die politische Aufsplitterung Deutschlands (im Gegensatz zu den Großmächten England und Frankreich) bedauert und eine Einigung der deutschen Gebiete erhofft, um sich so auch ausländischen Übergriffen gegenüber mächtiger positionieren zu können. Private Interessen wurden dem gerne untergeordnet. Alle diese Gefühle kommen im Lied gut zum Ausdruck.

Einen ganz anderen Sinn bekommt dieses Lied aus heutiger Sicht mit der vierten Strophe speziell in der III. Quartierschaft:

  • Der Vater, die Mutter,

  • die gingen vor´s Hauptmanns Haus.

  • Ach Hauptmann, lieber Hauptmann,

  • gebt mir den Sohn heraus!



Malte Freymuth, 2011




Schützenfest und Märsche vor 200 Jahren

"Wenn wir über die gekrümmten Straßen unserer schönen Heimatstadt in offenen langgedehnten Reihen einherziehen und Musik und Gesang die Lüfte erfüllt, so erweitert sich mir das Herz, und ich bin reich an frohen Hoffnungen und Ahnungen…"

"Es ist wirklich ein recht ästhetischer Eindruck, den das Vorüberziehen einer Quartierschaft macht; wobei man nicht nur an unseren Parademarsch denken muß. Im Gegensatz zu diesem sind es keine steifen Truppenlinien, die sich dem Auge darbieten, sondern man unterscheidet in den geöffneten Reihen noch den einzelnen Rottbruder in seiner Eigenthümlichkeit. Es herrscht neben der ruhig fortschreitenden Bewegung viel Mannigfaltigkeit und Ausdruck des Lebens. Ein jeder leuchtet mit seiner Rose am Lauf einzeln durch die jungen Zweige der grünen Wallanlagen. Auch wenn der Mann schon dem Auge entschwunden ist, blitzt noch das Rot seiner Rose durch die Wolke von Staub, die sich hoch über dem Rande des Marktplatzes erhebt. Selbst die Mühseligkeit und die Anstrengung, wenn sich die Reihen unter ihren Zylindern und Holzgewehren langsam die Niedernstraße hinaufziehen, geben einen glücklichen Eindruck in dem Bilde. Ja sogar die Schützen eines kleinen Rottes (Oberntor) in tiefer Verbundenheit auf ihrer langen, mühevollen, gemeinschaftlichen Reise, um endlich auf dem Festplatze anzukommen: Das ist der große und heilige Zweck, dem wir alle folgen. Dies alles legt eine Bedeutung in meine Seele, die mich tief ergreift."

So schildert Clausewitz in einem seiner Briefe aus jungen Jahren den Ausmarsch, und jede Seele wird die innere Wahrheit dieser ansprechenden Schilderung verstehen. Dem erhebenden Eindruck, welchen die schwarzen Kolonnen machen, wenn sie bei rauschenden Klängen der Musik durchs belebte Stadthagen ziehen, wenn die Einwohner an die Fenster und in die Thüren stürzen, die neugierige Menge sich in den Gassen zusammendrängt und lauter Jubel die Vorüberziehenden grüßt - diesem Eindruck wird sich auch ein weniger poetisches Gemüth nicht entziehen. Der Wandertrieb erwacht im Rottbruder, und die neuen Gegenden, die man kennen lernt (Oberstadt), regen die Phantasie an. In jungen Jahren wechselt man Ort und Lebensweise gern (Freitags-zwar-mitmach-aber-irgendwo-anders-Fraktion).

Aber die erhebenden Augenblicke sind an einem Ausmarsche doch nur seltene Unterbrechungen, und zum Genuß derselben gelangt man mehr, wenn man auf gutem Pferde die Kolonne an sich vorbei-defilieren läßt, als wenn man sich mitten in derselben zu Fuße fortschleppt (neuer Adjudant Jörn Paeger).

Langsamkeit und Mühseligkeit sind das Charakteristische an den Marschbewegungen großer Quartierschaften. Man wird ihrer inne, nachdem die Musik verstummt ist und wenn man die Individuen in der Nähe betrachtet, und nicht mehr aus der Entfernung, welche Clausewitz annimmt. Hier hinkt ein armer Teufel, den unbequemen Zylinder tief in den Nacken geschoben, das Gewehr auf die Schulter geworfen, unter Aufbietung aller Selbstbeherrschung mit, und unwillkürlich fühlen auch wir im Fuße den Schmerz, mit dem ihn ein scheuernder Halbschuh quält. Dort erblicken wir einen anderen, dem der Schweiß von der Stirne rinnt, und dessen schlaffe Züge die Erschöpfung deutlich erkennen lassen (Schwiegerklaus). Hin und wieder wird ein Ermatteter an den Straßenrand zur Seite geführt, und nur ein behende gereichter Schaumburger Landwein vermag diesen vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Ungezählt die im Marsche noch ungeübten, vor allem junge Rottbrüder, die aus den Reihen scheren und sich im kühlenden Schatten der Bierwagen niederlassen, in ungebührlicher Weise die Wiederkehr ihrer Kameraden abwartend.

Mit Recht beurteilt man ein Rott nach der großen oder kleinen Zahl von Nachzüglern, welche es während eines anstrengenden Marsches zurück läßt. Die innere Zucht kommt in den Marschleistungen deutlich zum Ausdruck. Von Stunde zu Stunde schleppt sich die Quartierschaft zögernder vorwärts. Chargierte, Rottbrüder, Schildträger; alles bedeckt sich mit Staub, der kaum noch gestattet, die Augen und Lippen zu öffnen. Die Sonne hat kein Einsehen und sendet unerbittlich ihre sengenden Strahlen gegen die Hauswände, an denen sich die Straße entlang zieht. Sie verbreiten unerträgliche Hitze. Nur die Spitze schreitet noch einigermaßen frisch vorwärts, je weiter zurück in der Kolonne, desto müder zieht Alles dahin; hier verstummen auch die Lieder.

Außerhalb der fünften Jahreszeit ist daher eine zweckmäßige Vorbereitung der Marschleistung erforderlich. Sie findet sich ohne Weiteres in einem Rott, in dem ein reges nachbarschaftliches Leben herrscht, durch häufige Bewegung bei Felddienst-Übungen (Brandts Garten), bei den Märschen zum monatlichen Stammtisch und zu den Schießständen. Aber besondere Marschübungen, bei denen größere Strecken zurückgelegt werden, nur um das Marschieren zu üben, dürfen trotzdem nicht unterbleiben (Michaels Frühjahrswanderung).

Die Anstrengung für den Rottbruder bei den Märschen wird weniger durch die zurückgelegte Entfernung herbeigeführt, als vielmehr durch die Zeitdauer, welche man ihn unter Gewehr und Zylinder zubringen läßt. Drei, vier, fünf, ja sechs Stunden sind für einen rüstigen Fußgänger kein erheblicher Tagesmarsch. Man erinnere sich nur der Einkaufsbummel, die man in jungen Jahren in den Geschäftsstraßen unternahm. Daß sogar zehn deutsche Meilen noch zu Fuß an einem Tage zurückgelegt werden können, haben nicht nur Preisläufer, Bernhardiner und Brandenburger bewiesen, sondern gewiß auch schon wir Rosenrottbrüder, die wir gern bald in der Festhalle sein wollten. Aber es ist ganz etwas Anderes, in leichter Kleidung frei und bequem zu wandern, als in Reih und Glied, mit schwarzem Anzug und voller Schützenfestausrüstung.

Höchst merkwürdig sind die außerordentlichen Verschiedenheiten in den Marschleistungen, welche sich nicht immer durch andere Rottzugehörigkeit oder andere Natur der Rottbrüder erklären lassen. Ein auf der Karte unscheinbarer Marsch durch die Oberstadt wird zu einer fast vernichtenden Anstrengung, und das nächste Mal wird eine doppelte Entfernung ohne sichtbaren Nachtheil überwunden. Welche Elemente sind hierbei von Einfluß? Wind, Wetter, Wege, innerer Zustand des Rottes, Nachwirkung der vorhergegangenen Rottfeier, Übung, welche hier mehr als bei irgend einer anderen Feierlichkeit den Meister macht, und endlich der Einfluß des die Marschforderung stellenden Rottmeisters.

So wünschen wir denn dem diesjährigen, daß er seinen Einfluß zum Wohle einer zeitigen Ankunft ausüben möge! Was freilich nicht bedeuten soll, daß er dem genannten Elemente „Nachwirkung der vorhergegangenen Rottfeier“ zu viel Bedeutung beimesse und auch nicht bedeuten soll, dass er die Versorgung mit kühlendem Biere einstelle.

Malte Freymuth, 2010, frei nach Clausewitz und v. d. Goltz




Schaumburgs militärhistorische Vergangenheit

Nach dem Rottbegehen in diesem Jahr (2009) geriet ich zufällig in die Geburtstagsfeier eines Rottbruders. Wie es auch nicht anders zu erwarten war, kam das Gespräch irgendwann auf unser schönes Fest und seine Tradition. Zwei anwesende, mir unbekannte und offenbar nur zugezogene Hubschrauberpiloten aus Achum nahmen dies zum Anlass, sich - teils belustigt, teils abwertend - über die „doch wohl eher unbedeutende“ militärische Vergangenheit Schaumburgs zu äußern.

Das war eine Provokation, die ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen konnte. Ich fühlte mich nicht nur persönlich angegriffen, hier ging es um unsere Heimat! Während ich schon die Blicke meiner anwesenden Rottbrüder in Erwartung schlagkräftiger Entgegnungen auf mir ruhen spürte, legte ich mir kurz die Reihenfolge der historischen Ereignisse zurecht, die ich den frevelnden Piloten Blitzen gleich entgegen schleudern wollte: im Zeitablauf? Oder doch lieber aufgebaut nach weltgeschichtlicher Bedeutung? Angesichts von 2009 und eines damit verbundenen runden Jahrestags entschied ich mich für die zweite Möglichkeit.

Den Einstieg gestaltete ich locker mit den Grafen Adolf von Schauenburg und Holstein (Graf Adolf I. bis V.), die im Norden des heutigen Deutschlands die Dänen bekämpften, christianisierten und kolonisierten. U. a. gründete Adolf II. 1143 oder 1144 die Stadt Lübeck; Adolf IV. gründete 1235 Kiel. Der Hamburger Hafen wurde aufgrund Schaumburger Initiative angelegt, in Hafennähe gibt es heute noch die Schauenburger Straße. Das Volksfest "Hamburger Dom" hat seinen Namen von dem Gotteshaus, das auf diesem Gelände stand und im Zuge der napoleonischen Verän-derungen abgerissen wurde. Viele Gräber und Grabmale schaumbur-gischer Adliger gingen damit ebenfalls verloren.

Ich machte weiter mit Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724 bis 1777), dem der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht zugeschrieben wird, was damals angesichts der Praxis von Söldnerheeren revolutionär, jedoch auch mit Blick auf billigere Soldaten naheliegend war. Die kleine Landesgröße und damit fehlende politische Bedeutung trugen ihren Teil zur Entstehung der allgemeinen Wehrpflicht bei. Mit Grafen Wilhelm konnte ich überleiten zum berühmten Scharnhorst: Gerhard v. Scharnhorst (1755 bis 1813), ausgebildet ab 1773 auf der vom Grafen Wilhelm gegründeten Militärakademie auf dem Wilhelmstein, griff die Idee der allgemeinen Wehrpflicht auf. Scharnhorst trieb später zusammen mit vom Stein und Hardenberg Preußens Reformen voran, die allgemeine Wehrpflicht gehörte dazu. Bei Scharnhorsts Namen horchten die beiden Ignoranten von Piloten immerhin zum ersten Mal auf, offenbar haben sie wenigstens diesen schon einmal gehört.

Dann streute ich eine Episode der Bückeburger Jäger ein, die am 14. August 1870 eine der drei entscheidenden (und siegreichen!) Schlachten im Deutsch-Französischen Krieg einleiteten. Als Vorhut verwickelten sie eine abziehende französische Armee ins Gefecht, so dass diese ihren Abzug abbrechen musste und schließlich, nachdem weitere deutsche Heeresteile herankamen, nach zwei weiteren Kampftagen die Reste dieser sog. Rheinarmee in Metz eingeschlossen wurden, wo sie dann kapitulierte. Das Denkmal für das "Westfälische Jägerbataillon Nr. 7", also der Bückeburger Jäger, sowie viele Grabmale gefallener Angehöriger stehen noch heute auf dem damaligen Schlachtfeld.

Ich kehrte zurück zum Grafen Wilhelm. Zunächst erwähnte ich kurz, wie er 1762 als Oberbefehlshaber den Portugiesen in ihrem Unabhängigkeits-kampf gegen die Spanier half.
Wiederholt legte aus Dankbarkeit darüber eine offizielle portugiesische Delegation am Todestag des Grafen Wilhelm an seinem Mausoleum im Schaumburger Wald einen Kranz nieder!


Historischer Höhepunkt jedoch, was Schaumburgs militärische Vergangenheit und Bedeutung Graf Wilhelms betrifft, ist seine Rolle bei der Schlacht von Minden am 1. August 1759. Dieses Jahr also der eingangs erwähnte 250. Jahrestag. Unter britischem Oberbefehl kommandierte Graf Wilhelm auf dem äußersten linken Flügel die Artillerie, die, wiederholt von den feindlichen Franzosen angegriffen, ihre wichtige Stellung behaupten konnte und damit den Grundstein für den siegreichen Ausgang legte. Obwohl die Schlacht in die Zeit der drei Schlesischen Kriege fällt, während derer sich Friedrich der Große mit Österreich um Schlesien schlug, steht sie damit in keinem unmittelbaren Zusammenhang. Die weltpolitische Bedeutung dieser Schlacht wurde erst aus späterer Sicht erkennbar: Hauptgegner waren Frankreich und England, die sich nicht nur in Europa gegenüberstanden, sondern auch um die Vorherrschaft in den übersee-ischen Kolonien kämpften. Nachdem Frankreich die Schlacht verlor, zog es sich aus Nordamerika zurück und ermöglichte so die starke Position Englands auf diesem Kontinent.

Indirekt lässt sich eventuell doch ein Bezug zu Friedrich dem Großen und den Schlesischen Kriegen herstellen: Sein Kontrahent, Österreich, war mit Frankreich verbündet. Dieses nun verlor die Schlacht von Minden, die Unterstützung Österreichs hatte damit ein Ende und somit kann behauptet werden, dass unser Graf Wilhelm dem „Alten Fritz“ den Rücken freigehalten hat, was letzten Endes diesem die Eroberung Schlesiens ermöglichte, damals eines der reichsten Gebiete Europas.

Malte Freymuth, 2009




Der Zylinder

Als Mitglied in der Traditionsgruppe des Westfälischen Jägerbataillons Nr. 7 - die militärischen Jäger waren im kaiserlichen Deutschland die Scharf-schützen und trugen als Kopfbedeckung den Tschako - fiel mir dessen Ähnlichkeit mit dem Zylinder auf. Worauf beruht nun diese Ähnlichkeit, woher stammen Tschako und Zylinder?

Bis in Napoleons Zeiten hinein war die Kopfbedeckung der Infanterie allgemein der Dreispitz aus Wollstoff, der sich gerade bei Regenwetter als wenig zweckmäßig erwies. Unter Napoleon wurde nun zuerst bei den Franzosen ein anderer Hut eingeführt, nämlich der Tschako: Von hoher zylindrischer Form, mit Wachstuch bezogen und mit Vorder- und Nackenschirm versehen, bot er besseren Wetterschutz. Noch dazu konnte wegen der hohen Form das Innere des Tschakos als Behälter genutzt werden für leichte Dinge wie Dokumente, Briefe, Tabak; die militärische Bekleidung jener Zeit zeichnete sich nicht gerade durch viele Taschen aus. Die Einführung geschah um das Jahr 1800 herum.

Der erste Zylinder wurde 1790 in London getragen und wurde als so schockierend empfunden, dass eine Dame bei dessen Anblick angeblich in Ohnmacht fiel. Da sich zivile und militärische Kleidung schon immer gegenseitig beeinflussten, konnte ich nicht zweifelsfrei herausfinden, ob es nun zuerst den Tschako beim Militär oder den Zylinder im Privaten gab. Fest steht jedoch, dass beide gemeinsam auftraten und denselben Modeerscheinungen folgten: so verloren sie an Höhe und wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer flacher.

Im Deutschen Reich zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde bei der Infanterie der Tschako durch den Helm (allgemein "Pickelhaube" genannt) abgelöst, lediglich Spezialeinheiten wie die Jäger behielten den Tschako. Im späteren Kaiserreich wurde er dann auch von neuen, besonderen Einheiten wie Luftschiffern, Telegraphen und MG-Abteilungen über-nommen. Von Polizisten noch bis in die junge Bundesrepublik hinein getragen, spielt der Tschako im heutigen deutschen Uniformwesen keine Rolle mehr, der Zylinder jedoch erfreut sich zumindest im Schaum-burgischen nach wie vor großer Beliebtheit.

Malte Freymuth, 2008




Der Rottmeister und seine Lanze

In diesem Jahr (2007) kann es wohl für mich kein passenderes Thema geben als dieses. Woher stammt der Begriff "Rottmeister" und was hat es nun mit der "Lanze" auf sich, nach den Fahnen und Schlachtschwertern schließlich auch ein wichtiges Symbol unseres schönen Festes?

Ursprünglich handelte es sich bei der "Lanze" um eine Waffe der unteren Chargen der Fußtruppen, also um eine Gruppe, die noch über dem gemeinen Soldaten stand. Diese (all-)gemeinen Soldaten, damals die sog. "Landsknechte", trugen Spieße von ca. fünf bis sechs Metern Länge. Die unteren Chargen der Fußtruppen wiederum führten neben dem Schwert noch einen kürzeren Spieß von ca. 2,5 bis 3,5 m Länge mit sich. Mit den beiden Waffen waren sie wehrhafter und mit dem kürzeren Spieß beweglicher. Durch den Vergleich mit den langen Spießen der Lands-knechte wurde dieser "Kurzgewehr" genannt. Streng genommen ist der Begriff "Lanze" also falsch, ist damit doch eine Waffe der Kavallerie gemeint (unser schöner Gigolo wusste damit umzugehen!). Im Reglement
für die preußische Infanterie von 1743 wird die Trageweise des Kurzge-wehrs festgesetzt: auf der linken Schulter.

Dieses Kurzgewehr wurde nun im Verlauf der Kriegsgeschichte immer kürzer, bis es sich im Ersten Weltkrieg am Koppel des Infanteristen wiederfand und bei Bedarf am Gewehr aufgesteckt werden konnte (meistens fälschlicherweise "Bajonett" genannt). Kurze Zeit später wurde es durch immer kleinere Handfeuerwaffen schließlich überflüssig.

"Rottmeister" war nun der Begriff für die unteren Chargen der Fußtruppen (heute würde man wohl "Unteroffizier" sagen). Anfang des 18. Jhdts. wurde diese Bezeichnung ersetzt durch "Gefreiter", und zwar unter dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg, der von 1701 bis 1713 erster preußischer König war (historisch korrekt: "König in Preußen"). Somit ist bei unserem Schützenfest also alles in schöner militärischer Ordnung: Der Rottmeister führt als Unteroffizier die gemeinen Soldaten seines Abschnitts an, der Feldwebel meldet dem Hauptmann als "Kompanieführer", und dieser führt schließlich seine Truppe dem Major vor.

Malte Freymuth, 2007




Unser Wappen - ein Nesselblatt?

Eigentlich wollte ich die Bedeutung des Wappens von Stadthagen er-läutern, stieß bei den Recherchen aber wieder auf interessante Sachver-halte. Diesen ging ich gerne nach, weil ich mich schon lange gefragt habe, was denn nun bei den Brennnesseln Schaumburgs so außergewöhnlich gewesen war, dass gerade diese als Wappen dargestellt worden sind. Das Ergebnis dieser Recherche ist ähnlich enttäuschend wie bei der Deutung unserer Landesfarben.

Der allgemeine Ursprung aller Wappen ist der Schild, der den Kämpfern vor langer Zeit zur Abwehr diente. Hochgeborene Streiter nutzten die Vorderseite zur Kennzeichnung mit den Farben oder der Symbolik ihres Geschlechts. Später dann wurde diese Schildseite auch in anderen als kriegerischen Zusammenhängen verwendet. Bis heute erhalten hat sich aus dieser Zeit die typische Form der Wappen mit der geraden, horizontalen oberen Kante und den beiden nach unten spitz zulaufenden Seitenlinien.

Im Falle Schaumburg-Lippes ist die älteste bekannte Form ein silberner Schild mit einem rotgezackten Rand, was auf das Jahr 1229 zurückgeht. Leider ist nicht mehr zu klären, was es mit diesem Rand auf sich hatte, wozu er diente und aus welchem Material er war. Vermutungen lauten auf Stoff oder Metall. Jedenfalls war dieser gezackte Rand mit drei Nägeln am Schild befestigt: zwei an den oberen beiden Ecken und einer unten an der Spitze. Dieser gezackte Rand wurde im Laufe des Mittelalters immer wichtiger: Schließlich sollte der Schild zur Erkennung einer bestimmten Familie dienen, und da war dieses Zackengebilde zweckmäßiger und einprägsamer als der doch eher langweilige rotsilberne Schild. Diese zweifarbige Fläche wurde also nach und nach in den Hintergrund gedrängt, aber gleich von einem Nesselblatt zu sprechen, ist wohl doch ein wenig gewagt.

Der erste, von dem diese Bezeichnung auch urkundlich bekannt ist, war König Erich von Dänemark: 1420 benutzte er die Formulierung „Nessel-blatt“. Das passte natürlich wunderbar zum Nesselberg, auf dem die Schaumburg steht, hat jedoch mit dem ursprünglichen Schild und seiner besonderen Umrandung nichts zu tun. In einigen Wappendarstellungen Schaumburgs ist übrigens noch deutlich zu erkennen, dass die drei Zacken an den drei Ecken des „Nesselblatts“ deutlich länger sind als die übrigen: ein Hinweis auf die drei Nägel, mit denen der Zackenrand am Schild befestigt war.

Ich möchte nun einige (traurige) Punkte einmal zusammenfassen:

  • Unser Wappen: Bezeichnung stammt von einem Dänen und entspricht nicht der Wahrheit.

  • Bedeutung unserer Landesfarben: keine.

  • Der von uns inbrünstig besungene Weserbogen: liegt außerhalb unserer Landesgrenzen.

  • Der von uns inbrünstig besungene Widukind: ein Westfale.

  • Ursprung Schaumburg-Lippes: ebenfalls mit Lippe in Westfalen, als die Schaumburger Grafen ausstarben und die Lipper eine neue Seitenlinie ihres Hauses eröffneten.


Tja…

Malte Freymuth, 2006




Tausende gehenkte Niedersachsen

Und wieder ein Blick zurück in unsere Geschichte. Was steckt dahinter, wenn wir in unserem Niedersachsenlied in der dritten Strophe singen:

  • Auf blühend roter Heide standen einst vieltausend Mann

  • Für Niedersachsens Treue traf sie des Franken Bann

  • Vieltausend Brüder fielen von des Henkers Hand

  • Vieltausend Brüder für ihr Niedersachsenland…


Es geht um einen Rache- oder Vergeltungsakt, der als „Blutgericht von Verden“ in die Geschichte einging. Der angesprochene Franke ist niemand geringeres als Karl der Große (747-814), auf den wir ja eigentlich große Stücke halten, aber hier ließ er sich offenbar von Wut und Rache leiten und legte seine übliche Besonnenheit ab. 782 ließ er 4500 Sachsen köpfen, das Blut soll angeblich die Aller rot gefärbt haben.

Vorangegangen waren mehrere Kämpfe zwischen den bereits christlichen Franken und den noch heidnischen Sachsen, deren Anführer der ebenfalls im Lied besungene Widukind war. Karl der Große entschied diese Feldzüge jeweils für sich (772, 774, 777 und 779), ließ sich jeweils Geiseln stellen - ein damals übliches Vorgehen, um sich das Wohlverhalten der Verlierer zu sichern - und verließ wieder unsere Region. Die Sachsen nutzten seine Abwesenheiten regelmäßig, um trotz ihrer Treueeide auf Karl den Großen neue Kämpfe gegen die Franken zu beginnen. Schließlich hatte er offenbar von den wiederholten Treuebrüchen genug, so dass er sich zum Blutgericht hinreißen ließ.

Erst als sich Widukind 785 taufen ließ, waren die größten Kämpfe beendet. Infolge weiterer sächsischer Erhebungen und Zwangsdepor-tationen dauerten die sog. Sachsenkriege jedoch noch bis 804 an. Neue historische Forschungen bezweifeln allerdings die hohe Zahl von 4500 Toten.

Malte Freymuth, 2005




Palais Schaumburg

Zwar nicht unbedingt direkt ein Mysterium des Schützenfestes, trotzdem war nicht nur mir nie klar, warum ein altes Gemäuer in Bonn den Namen „Palais Schaumburg“ trägt. Es wurde 1860 fertiggestellt und 1890 von Prinz Adolf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe gekauft. Als Chef des in Bonn stationierten Husarenregiments König Wilhelm I. (1. Rheinisches) Nr. 7 benötigte er natürlich ein repräsentatives Gebäude. Übrigens war Prinz Adolf verheiratet mit Prinzessin Wilhelmine Victoria von Preußen, der Schwester Kaiser Wilhelms II.

Malte Freymuth, 2004




Bedeutung der Landesfarben weiß-rot-blau

So richtig mysteriös war mir lange Zeit die Bedeutung unserer Landes-farben. Hier dauerte die Suche nach Erklärungen lange. Da nicht einmal das Internetz oder ein altes Schulbuch von 1904 für Schaumburg-Lippe etwas an Informationen hergab, habe ich mich nach Vorankündigung für einen Vormittag ins Landesarchiv im Bückeburger Schloss zurückgezogen. Um es kurz zu machen: die Farben, die wir nicht nur zum Schützenfest so hoch halten, haben überhaupt keine Bedeutung. Keine Symbolik, keine Familientradition, keine Wappenfarben, nichts. Traurige, enttäuschende, nackte Wahrheit.

Es gibt allerdings einige Erklärungsversuche: von den Livreen der Kammerdiener im Bückeburger Schloss (blaue Röcke, rote Westen, weiße Hosen) bis hin zu den Uniformen oder Truppenfahnen des Grafen Wilhelm. Aber die Farben blau, weiß und rot waren die Standardfarben zu jener Zeit und können nicht ausschließlich für Schaumburg-Lippe in Anspruch genommen werden. Diese Farben waren die Grundfarben für die Fahnen eigentlich jeder damaligen Armee, was genauso auch für die Unifor-mierung nicht nur der Dienerschaft gilt. Ein Vergleich mit anderen Flaggen verdeutlich dies schnell: Frankreich, Großbritannien, USA, Russland, Kuba….

Tatsächlich sind die schaumburger Farben eher notgedrungen zustande gekommen: Im Zuge der Vorbereitung eines Vertragsabschlusses Ende des 19. Jhdts. wurde der Bückeburger Gesandte in London gefragt, in welchen Farben die Siegelbänder gehalten sein sollten. Dieser musste die Antwort schuldig bleiben und fragte im Bückeburger Schloss nach. Dem Gesandten selbst waren „schaumburger Farben“ also noch unbekannt. Und am heimischen Hof konnte die Nachfrage nicht, musste aber in Hinsicht auf den Vertragsabschluss beantwortet werden. Aus diesem Zwang heraus wurden die Farben festgelegt, und es nicht bekannt, warum gerade in der
Kombination weiß-rot-blau.

Die Begründung für die im Vergleich zu anderen Ländern späte Festlegung der Landesfarben könnte in der Größe des damaligen, souveränen Stadtstaates liegen. In einer Zeit, als aus regierten Untertanen allmählich Bürger mit Verantwortung wurden, war zur Identifizierung mit einem so abstrakten Gebilde wie einer Nation bzw. einem Staat etwas Konkretes, Greifbares erforderlich. Wappen wären dafür geeignet gewesen, diese waren aber in erster Linie adeligen Geschlechtern vorbehalten, und gerade von diesen wollte sich das entstehende Bürgertum unabhängiger sehen. Farben sowie deren Anordnung auf Fahnen waren da schon besser geeignet. Die ersten, die das vormachten, waren die Franzosen während der Revolution 1789.

Brauchten nun die Schaumburg-Lipper, von denen viele ihren Fürsten persönlich, die meisten zumindestens vom Sehen her kannten, in ihrem überschaubaren Landesgebiet irgendeine Symbolik, um sich mit ihrem Land zu identifizieren? Wohl kaum! Für die großen Länder wie Preußen, Bayern oder Württemberg war das schon eher der Fall.

Trotz alledem: Das erste nachweisbare Wappen der Schaumburger, noch bevor sie ihre Burg auf dem Nesselberg errichteten, zeigte einen blauen Löwen auf weißem Grund. Somit hätten wir schon einmal zwei Farben. Dazu stelle ich dann das Rot der lippischen Rose, schließlich waren wir ja seit 1647 Schaumburg-Lippe und nicht nur Schaumburg. Somit sind unsere Farben gedeutet, und ich fordere jeden auf, mir eine bessere Deutung zu beweisen!

Schmankerl am Rande: Das heutige Wappen Schleswig-Holsteins enthält in seiner rechten Hälfte das Nesselblatt, also das Wappen Schaumburg-Lippes. Warum? Im Jahre 1110 wurde der schaumburger Graf Adolf I. auch mit dem Herzogtum Holstein belehnt.

Malte Freymuth, 2003




„Als du warst Husar, goldverschnürt sogar…“

Was hat es nun mit einem goldverschnürten Husaren auf sich? Auch hier klärt ein Blick in die Geschichte. Husaren gehörten zur Kavallerie, also zu den berittenen Truppen. Ursprünglich aus Ungarn stammend, fanden sie bald Verwendung in allen europäischen Armeen als leichte Kavallerie. Ihre Uniformierung wurde übernommen: Pelzmützen und reichverzierte Hosen und Jacken, der sog. „Attila“. Das Besondere am Attila ist nun, dass er nicht mit Knöpfen und Knopflöchern geschlossen wird, sondern mittels Schlaufen und Knebeln. Die Schlaufen verlaufen dabei in mehreren parallelen Reihen quer über die gesamte Vorderseite des Attila und sind damit Teil der reichen Verzierung der Uniform. Diese Schlaufen nennt man „Verschnürung“.

Von den Kriegen Friedrichs des Großen bis in den Ersten Weltkrieg hinein gab es bei der Verschnürung zwei Farben/Materialien: Weiß und gelb aus Wolle für Mannschaften bzw. silber und gold aus Metallfäden für die Offiziere. Eine goldene Verschnürung gab es bei vielen Husaren-regimentern und bedeutet nicht automatisch eine Auszeichnung. Wenn es im Lied vom „schönen Gigolo“ nun heißt: „goldverschnürt sogar“, deutet das jedoch auf eine Besonderheit hin, die nur dadurch zu erklären ist, dass unser schöner Gigolo vor seiner Tanzkarriere als Offizier bei den Gardehusaren gedient hat. Zu deren Uniform gehörte ein roter Attila mit goldener Verschnürung.

Malte Freymuth, 2002




Der „Alte Dessauer“

Wesentliches Element unseres Rottlebens und - zumindest für mich - neben dem Parademarsch auf dem Marktplatz einer der Höhepunkte des Schützenfestes ist das unvergleichliche Trompetensolo „Alter Dessauer“. Hinter diesem Spitznamen verbirgt sich nun tatsächlich ein bedeutender Mann der deutschen Geschichte: Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747). Er war Generalfeldmarschall unter drei preußischen Königen: Friedrich I., seinem Sohn Friedrich Wilhelm I. (der „Soldatenkönig“) und schließlich dessen Sohn Friedrich II. („der Große“). U. a. führte Leopold I. in der preußischen Armee den Gleichschritt ein, was für die Manövrier-fähigkeit der Infanterie und deren Verwendung im Gelände ein großer Fortschritt im damaligen Militärwesen war. Somit schließt sich der Bogen und wir sind wieder beim Parademarsch auf dem Marktplatz.

„So leben wir, so leb´n wir alle Tage…!“

Malte Freymuth, 2001


© Ulrich Wischhöfer 2012 - 2020
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